Kostensenkung Mittelstand - Die Zuschlagskalkulation, rechnet sie richtig?
Zeigt uns die Zuschlagskalkulation eine korrekte Übersicht über unsere Ergebnissituation bei Produkten und Kunden?
Hermann Schlichting
1/12/20262 min read
Auch mit unseren "kleinen" Produkten und Kunden machen wir Gewinn.
Diese Aussagen hören wir immer wieder in Kostensenkungsprojekten. Hierbei geht es um die "C-Produkte und C-Kunden", die keinen wesentlichen Beitrag zum Umsatz leisten.
Bei gründlicher Analyse der Zurechnung der Gemeinkosten zu den Produkten, stellten wir dann fest, dass die Zuschlagskalkulation, aufgrund ihrer veralteten Methodik, die Gemeinkosten sehr ungenau den Produkten zurechnet.
Dazu ein Beispiel bei der Material-Gemeinkosten-Zurechnung (MGK):
Die kalkulatorischen MGK liegen z.B. bei 12%
Die tatsächlichen Kosten für einen Beschaffungsprozess liegen z.B. bei 100,- €.
Dazu gehören im wesentlichen:
- Bestellung durchführen
- Warenannahme durchführen
- innerbetrieblicher Transport zum Teilelager oder in die Fertigung
- Einlagerung im Teilelager
- Rechnung bezahlen
- ...
Dieser Aufwand (100,- €) fällt weitgehend unabhängig von der Menge und vom Wert der zu beschaffenden Teile an.
Jetzt rechnen wir 2 Beispiele durch, um die Abweichungen darzustellen. Die Material-Einzelkosten (MEK) für das Teil liegen z.B. bei 5,- €/Stück.
Beispiel 1: Lieferung 50 Stück x 5,- €/Stück = 250,- €
Mit den Material-GK in Höhe von 12% werden hier 30,- € MGK zugerechnet.
Die tatsächlichen Kosten liegen aber bei 100,- € für den Beschaffungsprozess.
Es werden also 70,- € MGK zu wenig zugerechnet.
Beispiel 2: Lieferung 500 Stück x 5,- €/Stück = 2.500,-€
Mit den Material-GK in Höhe von 12% werden hier 300,- € MGK zugerechnet.
Die tatsächlichen Kosten liegen aber bei nur 100,- € für den Beschaffungsprozess.
Es werden also 200,- € MGK zu viel zugerechnet.
(Anmerkung: Bei diesem Beispielen haben zur Vereinfachung darauf verzichtet zwischen fixen und variablen Gemeinkosten zu differenzieren)
Diese Abweichungen bei der MGK-Zurechnung sind erheblich.
Die gleichen Effekte ermittelten wir auch bei den
- Fertigungsdurchführungs-Prozessen und
- Versand-Prozessen.
Produkte und auch Kunden mit
- kleinen Stückzahlen und/oder Umsatz werden zu niedrige GK zugerechnet und
- großen Stückzahlen und/oder Umsatz werden zu hohe GK zugrechnet.
Wir erkennen, dass die Hauptumsatzträger-Produkte/Kunden die Exoten-Produkte/Kunden subventionieren. Wir sprechen hier von unsichtbarer Quersubventionierung.
Die tatsächlichen Kosten - ermittelt aus unseren Projekten - liegen
- bei „kleinen“ und „mittleren“ Stückzahlen deutlich höher von +20 bis +>1000% und
- bei „großen“ Stückzahlen niedriger bei -5 bis -30%
gegenüber der Zuschlagskalkulation.
Auf dieser Basis sind dann keine korrekten Ergebnisaussagen möglich.
Und dadurch kommt die Aussage zustande, dass wir
auch mit unseren "kleinen" Produkten und Kunden Gewinn machen.
Aufgrund dieser fehlerhaften Zurechnung der GK zu den Produkten und Kunden steigt dann
auch die Komplexität im Unternehmen an, da sie nicht erkannt werden kann.
Außerdem besteht, aufgrund unzureichender Ergebnisaussagen, die Gefahr einer Fehlsteuerung des Unternehmens.
Erst mit einer prozessorientierten Kalkulation (PoK) können wir die Zurechnung der GK zu Produkten und Kunden zuverlässig erreichen und klare Ergebnisaussagen vornehmen.
Damit bekommen wir auch ein Verständnis über die Kostentreiber im Unternehmen.
Und der Vorstand wird fähig, klare Komplexitätsziele für die Bereiche im Unternehmen zu definieren.
Speziell die Komponentenhersteller sind in hier sehr gefährdet.
Hier hatten wir Projekte, wo wir die Kundenanzahl um bis zu 90% und die Produkte und Teile um bis zu 50% reduzierten und das mit sehr geringen Umsatzrückgang.
Unser Ziel ist es, die KMU in die Lage zu versetzen, Komplexitätsanalysen selbstständig durchzuführen und kurzfristig umsetzbare ergebniswirksame Maßnahmen zu erarbeiten.
Dazu haben wir unser, seit 10 Jahren angebotenes Komplexitäts-Management-Seminar, in dem wir unsere Erfahrungen aus 30 Jahren Komplexitäts-Projekten vermitteln, speziell an die Bedürfnisse der KMU angepasst.
In diesem Seminar stellen wir eine erprobte Systematik und Methodik vor, die zur
- Komplexitäts-Analyse
- Komplexitäts-Reduzierung und
- Komplexitäts-Beherrschung
führt, und somit zur Kostensenkung im Unternehmen.
https://schlichting-akademie.de/komplexitats-management-seminar
Hermann Schlichting



